Was ist Qigong und warum sollten Sie sich dafür interessieren?
Qigong (气功 qìgōng) bedeutet wörtlich „Energiearbeit“ oder „Atemfertigkeit“. Es ist eine der ältesten Gesundheitspraktiken der Erde – mindestens 4.000 Jahre alt, älter als Akupunktur, chinesische Kräutermedizin und sogar die formale Entwicklung von Feng Shui (风水 fēngshuǐ). Und im Gegensatz zu den meisten alten Praktiken benötigt Qigong keine Ausrüstung, keine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, kein bestimmtes Fitnessniveau und kein spirituelles Glaubenssystem.
Im einfachsten Sinne ist Qigong koordinierte Atmung, sanfte Bewegung und konzentrierte Absicht. Das ist alles. Sie atmen in bestimmten Mustern, bewegen Ihren Körper langsam und richten Ihre Aufmerksamkeit auf den Fluss von Qi (气 qì) – der Lebensenergie, die in der chinesischen Medizin und Philosophie als grundlegend für das Leben betrachtet wird.
Die Beziehung zwischen Qigong und Feng Shui ist wie die Beziehung zwischen Innen- und Außendekoration. Feng Shui arrangiert Ihre äußere Umgebung, um den Energiefluss zu optimieren. Qigong tut dasselbe für Ihren Körper. Viele traditionelle Feng Shui-Meister praktizierten täglich Qigong – sie verstanden, dass das Wahrnehmen von Qi in einem Gebäude zunächst die Fähigkeit erfordert, es in sich selbst zu spüren.
Die Drei Regulierungselemente (三调 sāntiáo)
Jede Qigong-Praxis, unabhängig vom Stil, beinhaltet drei koordinierte Elemente:
Regulierung des Körpers (调身 tiáoshēn): Die Annahme spezifischer Haltungen oder Bewegungen, die die Energiekanäle des Körpers öffnen. Im Qigong geht es bei der Haltung nicht darum, gut auszusehen – es geht darum, Wege zu schaffen. Eine zusammengesunkene Wirbelsäule komprimiert Brust und Bauch und blockiert den Qi-Fluss. Eine aufrechte, aber entspannte Wirbelsäule ermöglicht es der Energie, natürlich zu steigen und zu fallen.
Regulierung des Atems (调息 tiáoxī): Die Verwendung spezieller Atemmuster – meist langsames, tiefes Bauchatmen – um Qi zu aktivieren und zu zirkulieren. Der Atem ist der Motor des Qigong. Ohne bewusstes Atmen sind die Bewegungen nur Gymnastik.
Regulierung des Geistes (调心 tiáoxīn): Die Konzentration der Aufmerksamkeit auf bestimmte Körperbereiche, das Visualisieren des Energieflusses oder einfach das Bewahren der Gegenwartsbewusstheit. Der Geist lenkt, wohin das Qi fließt. Im traditionellen chinesischen Verständnis gilt: „意到气到“ (yì dào qì dào) – wohin die Absicht geht, folgt das Qi.
Fünf Anfängerübungen
1. Stehen wie ein Baum (站桩 zhànzhuāng)
Dies ist die wichtigste Qigong-Übung und gleichzeitig die, die die meisten westlichen Praktizierenden überspringen, weil es so aussieht, als würde man nichts tun. Sie stehen fünf bis zwanzig Minuten still. Das ist die Praxis.
Wie: Stellen Sie sich schulterbreit hin. Die Knie leicht gebeugt – nicht durchgestreckt. Die Arme werden auf Brusthöhe gehoben, als würden Sie einen großen Baum umarmen oder einen Strandball halten. Die Schultern sind entspannt. Atmen Sie natürlich in den unteren Bauch (den Dantian, etwa drei Fingerbreit unter dem Nabel).
Was passiert: Ihre Beine beginnen zu zittern. Ihre Schultern brennen. Ihr Geist wird schreien, dass das langweilig und sinnlos ist. Bleiben Sie. Etwa nach fünf Minuten verändert sich etwas – das Zittern hört auf, eine Wärme baut sich in Ihren Handflächen oder dem Bauch auf, und Sie fallen in einen Zustand wacher Ruhe.
Stehende Meditation erzeugt, was die Chinesen „Wurzel“ (根 gēn) nennen – eine tiefe,